Dein eigener Käfig – Wie Glaubenssätze Dein Leben bestimmen

Die wesentliche Grundlage für das Verständnis Deines Lebens liegt in Dir. Durch Deine Glaubenssätze kannst Du dich ihr nähern. In diesem Beitrag wirst Du lernen, was Glaubenssätze sind und wie sie Dein Leben jeden Tag immens beeinflussen. Und Du bekommst eine Übung, die Dir Stück für Stück beim Erkennen Deiner Glaubenssätze hilft und dadurch Dein Leben entspannter und erfüllender werden lässt.

 

Jens Dreyer: Glaubenssätze – Erkenne Deinen selbsterrichteten Käfig und bahne Veränderungen an

 

 

Deine eigene Wirklichkeit durch Erkennen Deiner einschränkenden Glaubenssätze entspannen

Nach unserer Geburt sind wir komplett abhängig. Wir können uns nicht selbst ernähren, wärmen und Liebe geben. Wir sind darauf angewiesen, dass uns jemand füttert und begleitet. Und wir vertrauen diesem jemand, denn schließlich gibt dieser Mensch uns ja etwas zu essen und, so gut es für ihn selbst geht, Liebe. In den ersten Jahren lernen wir das Meiste durch Kopieren. Wir kopieren von den Menschen, zu dem wir den engsten Bezug haben. Meistens sind dieses unsere Eltern.

Dieser Mechanismus ist auch in der Natur zu beobachten. Tiere, die nach der Geburt nicht direkt eigenständig sind, lernen ebenfalls durch Kopieren. Bei Mensch und Tier spielt neben dem Kopieren noch die Intuition bzw. der Instinkt und Phänomene wie so genannte morphologische Felder eine Rolle. Um die geht es in diesem Artikel nicht, denn ihre Prägungen aus frühkindlichen Phasen haben aus heutiger Sicht nicht so gravierenden Einfluss auf unser späteres Leben.

Gravierenden Einfluss hat die für uns aus dem kopierten Verhalten der Menschen in unserem Umfeld gelernte Realität. Dieses Verhalten ist durch ihre inneren Einstellungen, Handlungsmotive und wiederum ihrem eigenen Bild der Realität bestimmt. Die Erwachsenen, zu denen wir engen Bezug haben, leben ja noch, also kann es nicht so falsch sein, was sie machen. Wenn wir diese gelernte Realität in Worten ausdrücken wollen, ist das unser Glaubenssystem. Dieses stellt die Gesamtheit aller Auffassungen und Einstellungen eines Menschen dar. Und einzelne Themen daraus werden Glaubenssätze genannt. Jeder Mensch hat sie. Glaubenssätze beeinflussen die Wahrnehmung unserer Umwelt und anderer Menschen sowie des Zusammenwirkens von beiden. Und damit nachhaltig unsere Lebensqualität.

Ein Beispiel aus der Kindheit

Das Prinzip von Glaubenssätzen möchte ich am Beispiel des Weihnachtsmannes darstellen. Ein im deutschsprachigen Raum für die meisten Menschen durchlebtes Beispiel:

Irgendwann wurde uns als Kleinkind erklärt, dass ein Mal im Jahr ein Weihnachtsmann Geschenke bringt. In Bilderbüchern, in Zeitungen, auf Weihnachtsmärkten oder auf Werbetafeln kann er dann auch wirklich entdeckt werden. Wirklich? Oder ist das nur eine Geschichte? Dieses kann das Kind nicht unterscheiden und nicht prüfen. Warum sollten die Eltern denn auch lügen? Also glaubt es diese Geschichte.

An diesem Beispiel möchte ich neben dem generellen Prinzip ebenfalls die Wirkungsweise auf das tägliche Leben beschreiben. Was harmlos mit der Geschichte des Weihnachtsmannes beginnt, kann schnell naturentfremdende Formen annehmen. Stell dir vor ein Erwachsener erklärt einem Kind, dass der Weihnachtsmann alles sieht. Das Kind solle lieber artig sein und aufessen, weil der Weihnachtsmann sonst keine Geschenke bringt. Meistens zwingt sich das Kind dann aufzuessen, obwohl es gar keinen Hunger hat. Es lebt gegen die eigene Natur, denn das eigene Hunger- und Sättigungsgefühl wird in diesem Fall vollkommen übergangen.

Glaubenssätze ändern sich im Laufe eines Lebens. Selbst ohne das Du dich damit beschäftigst. Genauso wie die Lieblingsspeise, der Lieblings-Fußballverein oder die bevorzugte Automarke. Zurück zu unserem Beispiel entsteht irgendwann bei Kindern das Gerücht, dass es gar keinen Weihnachtsmann gibt. Vielleicht wird vorsichtig ein Erwachsener gefragt. Oder irgendwann werden die Eltern beim Geschenkkauf „erwischt“. Dann erweitert sich der eigene Horizont und neue Glaubenssätze entstehen: „Wir feiern Weihnachten, weil …“. Der Mechanismus ist aber immer noch gleich. Die eigene Wirklichkeit wird weiter.

Das eigene Glaubenssystem mit den eigenen Glaubenssätzen ist immer individuell. Am Beispiel vom Weihnachtsmann wird schnell klar, dass das Aufwachsen in einer anderen Kultur oder Nationalität schnell den 24.12. anders aussehen lässt.

Die Glaubenssätze rund um den Weihnachtsmann sind noch sehr offensichtlich, weil wir mit uns nahe stehenden Menschen über den Weihnachtsmann gesprochen haben. Wer aber thematisiert schon, dass man drei Mahlzeiten am Tag ißt, sich Sorgen um die Zukunft oder Rente macht oder Zärtlichkeiten in der Beziehung der Eltern tabu sind. Das meiste wird unbewusst kopiert.

Können Glaubenssätze aufgelöst werden?

In einer Vielzahl von Büchern und Seminaren wird beschrieben, wie man Glaubenssätze auflösen, „wegklopfen“ oder anderweitig hinter sich lassen kann. Meine Erfahrung: das funktioniert nicht. Aus der Natur lässt sich ableiten, warum das so ist: Gedanken und Gefühle sind eine Form von Energie. Das Naturgesetz Energie ist wandelbar, nicht zerstörbar beschreibt die Zusammenhänge, wie sie sind. Glaubenssätze können somit nicht durch erkennen, Akupunkturpunkte klopfen oder an etwas anderes denken aufgelöst oder verändert werden. Sie wirken weiter.

Gefühle wollen gefühlt werden. Gedanken und Glaubenssätze gelebt werden. Dieses kannst Du bewusst tun, dadurch Dein Leben verstehen und entspannen. In der Entspannung geschieht unheimlich viel. Da das in diesem Artikel nicht Thema ist, schau bei Interesse einfach hier.

Eine kontinuierliche Aufgabe zur Wahrnehmung Deiner inneren Schranken

Nun eine Aufgabe, die Dein Leben verändern kann. Sie scheint – und ist es meistens auch – sehr einfach. Kontinuierlich durchgeführt, wirst du dadurch aber Deine Wahrnehmung für Dich selbst und Deine Handlungsmotive verändern und tiefe Veränderung und Problemlösungen anbahnen. Nach und nach wirst Du spüren, warum Du die Dinge tust, die Du tust. Und Deine Lebensqualität kann erheblich wachsen.

Nimm ein leeres Blatt Papier und einen Stift und habe beides in den nächsten Tagen immer dabei. Schreibe mindestens zu den aufgeführten Bereichen Deines Lebens auf, was du glaubst. Also deine Glaubenssätze. Du kannst in einer ruhigen Minute am Schreibtisch beginnen und vervollständigst das dann in den nächsten Tagen immer dann, wenn Du einen neuen Glaubenssatz wahrnimmst. Wahrscheinlich wirst Du überrascht sein, wie schnell sich Deine Wahrnehmung verfeinert und Du neue Glaubenssätze findest.

Nimm diese Liste immer wieder zur Hand. Vor allem, wenn Du Dich gerade fragst, warum Du etwas tust. Zum Beispiel, wenn Du etwas ißt, obwohl Du gar keinen Hunger hast. Oder wenn Du TV schaust, obwohl Du nebenbei telefonierst und Nachrichten schreibst. Markiere Glaubenssätze, die gerade spürbare Änderung in Deinem Befinden in einer solchen Situation hervorrufen. Oder notiere Neue, die Du wahrnimmst.

Beispiele für Glaubenssätze

Im Folgenden gebe ich jeweils ein paar Beispiele. Die müssen bei Dir natürlich nicht zutreffen. Manche von ihnen sind aus kindlicher Perspektive geschrieben, da im Kindesalter die Mehrheit Deiner Glaubenssätze geprägt wurden – und häufig im Erwachsenenalter noch wirken:

Ernährung

  • Zucker macht dick.
  • Fünf kleine Mahlzeiten sind gesünder als drei große Mahlzeiten.
  • 2-3 Liter Wasser pro Tag trinken ist wichtig.
  • Süßigkeiten darf ich zur Belohnung essen.

Sport

  • Ich muss 5 Mal pro Woche Sport machen, um fit zu sein.

Gesundheit

  • Wenn ich nicht gesund bin, bin ich unattraktiv.
  • Impfungen schützen mich.
  • Traurige Gefühle müssen schnellst möglich verschwinden.

 

Beruf / Berufung

  • Wenn ich etwas Neues mache, muss ich erfolgreich sein.
  • Selbständig kann ich nicht überleben.
  • Wenn ich artig bin (und das mache, was andere von mir erwarten), gehöre ich dazu.

Partnerschaft

  • In einer Partnerschaft sollte man alles teilen.
  • Ich bin Sex-besessen.

Eltern

  • Ich muss ein gutes Verhältnis zu meinen Eltern haben.
  • Ich darf meinen Eltern nicht „Nein“ sagen.
  • Wenn es meiner Mutter schlecht geht, bin ich schuld.

Geld

  • Ich muß viel Geld sparen für die Zeit meiner Rente.
  • Es ist wichtiger Leistung zu bringen und Geld zu bekommen, als auf meine Gefühle zu hören und eine Pause zu machen.

Mehrwert

Deine menschliche Gefühlswelt umfasst, genauso wie Deine Gedanken, bewusste und unbewusste Anteile. Dein Bewusstsein ist das, was Dir über Dein Leben bewusst ist. Alles, was Du jederzeit willentlich abrufen kannst. In Deinem Unterbewusstsein befinden sich die Teile, auf die Du keinen direkten Zugriff hast. Wenn Du Dir dieser Teile, manchmal auch Schattenanteile genannt, nicht bewusst bist, kann es sein, dass Du sie bekämpfst. Und genau hier setzt Du mit der Liste deiner Glaubenssätze an. Glaubenssätze sind verbal ausgedrückte Muster und sind ebenso bewusst wie unbewusst. Mit der Erstellung und kontinuierlichen Weiterführung Deiner Liste schreibst Du zuerst die Glaubenssätze aus deinem Bewusstsein auf. Dabei schärft sich deine Wahrnehmung. Und Schritt für Schritt nimmst Du neue Glaubenssätze wahr, die Dir vorher nicht bewusst waren. Sie kommen also aus deinem Unterbewusstsein.

Glaubenssätze beschreiben Deine eigene Wirklichkeit und sind somit der erste Schritt, wenn es um Dich selbst geht. Du erkennst damit Deine Handlungsmotive in den unterschiedlichsten Rollen Deines Lebens.